
Das hatte IM Georgios Souleidis, The Big Greek, auch noch nicht erlebt: Annähernd sechs Stunden kämpfte er vergangenen Samstag im Haus der Vielfalt gegen 30 Gegner im Jubiläumssimultanturnier - und konnte doch nicht alle Partien beenden! Letztlich mussten noch sieben laufende Partien abgebrochen und die Stellungen abgeschätzt werden, da eine nachfolgende Nutzergruppe den Spielsaal beanspruchte und schon zwei Stunden geduldig auf Einlass gewartet hatte.
Doch der Reihe nach:
Als Turnierleiter konnte ich mich zunächst über einen reibungslosen Auftakt der Veranstaltung freuen. Helfende Hände - in Person von Udo Rauschenbusch und Ralf Erkelenz - sorgten für einen flotten Aufbau (alle Tische mussten zunächst aufgeklappt und aufgebaut werden!), alle angemeldeten Teilnehmer waren pünktlich vor Ort, Mykhailo hatte für reichlich leckere Verpflegung gesorgt und auch der Hauptakteur des Tages war von der Deutschen Bahn - im Rahmen der erwartbaren Verspätung - sicher nach Dortmund transportiert und persönlich vom Bahnhof abgeholt worden (nochmals Dank an Cornelia!).
Somit konnte wie angekündigt um 13.30 Uhr die Veranstaltung eröffnet werden. Bezirksbürgermeisterin Astrid Cramer hielt eine mit viel Beifall bedachte launige Ansprache, und Christian Jochmann, 2. Vorsitzender der Schachgemeinschaft, überbrachte die Grußworte der SG DO. Gerne stellte sich TBG anschließend den Foto- und Autogrammwünschen der Anwesenden, ich gab noch ein paar Erläuterungen zum Ablauf des Simultanturniers, und dann begab sich TBG auf die erste der unzähligen Runden entlang der 30 Bretter.
Er traf dabei auf eine bunt gemischte Gegnerschaft, die im Durchschnitt gut 1700 (neue) DWZ aufbot, darunter der 7jährige Konstantin Kaesewinkel vom SC Weiße Dame Essen-Borbeck immerhin schon mit 1540.
Bald zeichnete sich ab, dass die veranschlagten vier Stunden Spieldauer nicht ausreichen würden, denn erst gegen 17.10 Uhr war die erste Partie bendet:
Boris Vorobyov (FS 98) erreichte ein Remis nach 21 Zügen. Wenige Züge später musste dann Stefan Buntscheck noch vor 18 Uhr die Segel streichen und TBG konnte nach Punkten in Führung gehen. Wer nun allerdings einen Dammbruch und ein rasches Einknicken der Herausforderer erwartet hatte, musste sich eines Besseren belehren lassen. An vielen Brettern stand TBG vor taktisch anspruchsvollen Verwicklungen, die tiefere Berechnungen verlangt hätten, als bei einem solchen Simultan eigentlich möglich waren. Vor allem am Brett von Martin Blasczyk sah sich TBG mit der Verwaltung einer ruinierten Stellung beschäftigt. Einem weißen Bauernvormarsch Richtung Martins Königsflügel fehlte die Durchschlagskraft um ernsthaft für Gefahr und Kompensation für die Minusqualität zu sorgen, mangels Perspektive gab TBG die Partie schließlich auf. Da waren schon viereinhalb Stunden vergangen, und die lange Spieldauer forderte dann in zwei weiteren Partien für Tribut in Form von Niederlagen für den IM: Gegen Dominik Mertens (SF Brackel) lehnte er wiederholt Remisangebote wegen eines besseren Endspiels (L+S gegen T) ab, lief dann aber in einen Spieß mit Figurenverlust. Und bei Omar Ismail (FS 98) zog er den falschen Bauern und stellte einfach eine Figur ein. Bei diesen drei vollen Punktverlusten blieb es aber auch bis zum erzwungenen Abbruch der noch laufenden Partien. Unterm Strich kann sich die Bilanz - auch wegen des starken Teilnehmerfelds - für TBG aber sehen lassen: +18, =9, -3, also ein 22,5:7,5 für Weiß.
Ein bisschen schade, dass das Ende wegen des hastigen Abbaus etwas chaotisch ausfiel und keine Zeit mehr für Nachbetrachtungen einzelner Partien blieb. TBG und die verbliebenen Mitspieler haben es mit Fassung und Nachsicht hingenommen, danke nochmal dafür - und Respekt vor dem Durchhaltevermögen von Konstantin (und seiner Mutter!), der bis zum Schluss Gegenwehr geleistet hatte, dessen Partie dann als Verlust abgeschätzt wurde.
Alles in allem aber war das eine schöne Veranstaltung mit dem sympathischen Schachmeister aus Hamburg und sicherlich auch ein Glanzpunkt im Jubiläumsjahr der Schachgemeinschaft Dortmund!
Bildnachweis: Philipp Budde










