Seit der Wahl des neuen Präsidenten Paul Meyer-Dunker tut sich was beim alten Schlachtross DSB: Neue Sponsoren und Werbepartner, frischer Wind in der Berichterstattung, neuer Newsletter. Aus eben diesem zitiere ich nachfolgend zu einer Frage, die uns allen unter den Nägeln brennt:

Warum der König und der Turm gemeinsam ziehen

Die Rochade ist der einzige Zug im Schach, bei dem zwei Figuren gleichzeitig bewegt werden, und sie ist jünger, als viele denken. Im mittelalterlichen Vorläufer des Schachs, dem persischen und arabischen Schatrandsch, gab es sie noch gar nicht. Der König war dort eine extrem verletzliche Figur, durfte sich aber nur ein Feld pro Zug bewegen, oft mitten im Gewühl der Eröffnung. Als Ausgleich erlaubten einige Regelwerke dem König einen einmaligen „Königssprung“: einen freien Satz über zwei Felder, um ihn schneller aus der Gefahrenzone zu bringen.

Als sich das Spiel zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert in Europa veränderte und mit ihm Dame und Läufer ihre heutige Reichweite bekamen, entwickelte sich auch dieser Königssprung weiter. Nach und nach verband er sich mit einer Bewegung des Turms, bis daraus im Verlauf des 17. Jahrhunderts die Rochade wurde, wie wir sie kennen. Einheitlich war das allerdings lange nicht: Während sich Frankreich und der Großteil Europas recht früh auf die heutige Form einigten, König zwei Felder zur Seite, Turm springt daneben, hielt Italien an einer eigenen, deutlich freieren Variante fest. Bei dieser „freien Rochade“ durfte der Turm auf fast jedes Feld zwischen seiner Ausgangsposition und dem König gestellt werden, und der König durfte dafür sogar auf die andere Brettseite springen, mit bis zu 16 verschiedenen Rochade-Varianten pro Partei. Erst in den 1840er-Jahren begann der englische Meister Howard Staunton, international auf einheitliche Regeln zu drängen, und erst in den 1880er-Jahren gab Italien die freie Rochade endgültig auf. Weltweit verbindlich wurden Schachregeln dann erst mit der Gründung der FIDE im Jahr 1924.

Geblieben ist bis heute der Name: „Rochade“ geht auf das französische „roque“ zurück, das wie das englische „Rook“ letztlich auf die persisch-arabische Bezeichnung für den Turm zurückgeht. Zwei Figuren, ein gemeinsamer sprachlicher Ursprung, ein Zug, der bis heute für Sicherheit auf dem Brett sorgt.

Soweit also der DSB-Beitrag. Der dazugehörige Newsletter "Queencheck" wird bislang nur an die Repräsentanten von Schachvereinen verschickt, im Archiv des Schachbunds sind jedoch alle Folgen abrufbar:

https://www.schachbund.de/newsletter-archiv-allgemein.html